Lassen Sie sich auf diesen Seiten in die faszinierende Welt der Kern- und Radiochemie entführen. Was ist Kernchemie? Was beinhaltet diese Forschung? Warum ist das interessant? Welchen Einfluss hat das auf unsere Gesellschaft? ...

Insbesondere in Deutschland wurde bei der Kernforschung oder Nuklearforschung in Kernphysik, Kernchemie und Kerntechnik unterschieden. Dies wurde durch die aufkommende Bedeutung der Hochenergie-Kernphysik dahingehend verändert, dass die Niederenergie-Kernphysik gern der Kernchemie "zugeschlagen" wurde. Außerdem distanzierten sich die kernchemischen Forschungsgruppen gern von der Kerntechnik, weil sie nicht in die öffentliche Diskussion um die Kernenergie "hineingezogen" werden wollten. Zudem handelte es sich bei den ostdeutschen Forschungsgruppen eigentlich um Radiochemie, also die Chemie der Radionuklide oder auch im speziellen der Transactiniden. Während - strenggenommen - die Kernchemie sich mit den chemischen Veränderungen befasst, bei denen die Eigenschaften der Atomkerne (z.B. beim radioaktiven Zerfall) eine wesentliche Rolle spielen. Die Grenzen verwischen aber im Laufe der Zeit und weltweit. Daneben gab es aber auch ein Forschungsgebiet der Strahlenchemie, das sich etwas von der Kernchemie "abkoppelte", da man hier insbesondere technische Anwendungen suchte. Zwischenzeitlich gab es auch die Myonenchemie, bei der die stofflichen Eigenschaften von Atomen untersucht wurden, wo ein Myon in die Elektronenhülle eingefügt worden ist. Die Kernchemie, die vor allem in den USA eher eine Niederenergie-Kernphysik war, befasste sich oft mit Reaktionsquerschnitten von Kernreaktionen, Messung von Zerfallsschema und vielem mehr. Die Eigenschaften des Atomkerns spielen hier also eine wesentliche Rolle, aber auch Isotopieeffekte, Isotopentrennung, die Messung von radioaktiver Strahlung, das Verständnis von Zerfallsprozessen, Kernspaltung und Kernfusion (hier gemeint die von leichten Elementen), Gewinnung von Radionukliden für technische Anwendungen und für die Medizin, Indikatormethoden und analytische Methoden, Dosimetrie und Strahlenschutz und vieles mehr. In der Rückschau auf die Geschichte darf man durchaus konstatieren, dass die Kernchemie die besten Wissenschaftler anzog (und auch gute Forschungsmittel), weil der Nutzen der Forschung, sei es durch die Anwendung der Kernenergie oder die Verwendung von Isotopen in der Medizin, immer hoch eingeschätzt wurde. Der Wettlauf um immer beeindruckendere Resultate hat aber auch bewirkt, dass das Eine oder Andere am "Wegesrand" liegengelassen worden ist, obwohl es sicher hoch interessant war. Viele "kleinere" Rätsel warten immernoch entschlüsselt zu werden und manches "Puzzle" ist noch nicht vollständig zusammengefügt.

Man sollte aber der Vollständigkeit und Ehrlichkeit halber auch einen anderen Aspekt nicht "unter den Tisch kehren": So wie die Chemie für militärische Zwecke missbraucht worden ist und Giftstoffe als Waffen entwickelt hat, oder die Biologie die biologischen Waffen nicht wegdiskutieren kann, so gibt es natürlich auch nukleare Waffen (oder Atombomben), deren Entwicklung und deren komplexes Verständnis ohne Kernchemie wohl nicht möglich wäre. Man kann die Wissenschaftler, die diese Waffen entwickelten oder das theoretische Fundament legten bzw. die Materialien auf kernchemischen Wege erzeugten, verurteilen und sich fragen, warum sie ihr Wissen in den Dienst der Militärs gestellt haben. Ich habe mit einigen dieser Leute zusammengearbeitet und mir die Argumente angehört. Diese Diskussion möchte ich auf diesen Seiten genauso führen, wie die Diskussion um die Kerntechnik (bzw. Atomkraftwerke). Es ist eben nicht alles Schwarz/Weiß und wir sollten es uns nicht zu einfach machen, Menschen zu verurteilen. Der Hauptgrund für diese Webseite ist aber meine Begeisterung für mein Fachgebiet, dass ich hier mit Ihnen teilen möchte.
 

Zum Geleit:
Das schönste Erlebnis ist die Begegnung mit dem Geheimnisvollen. Sie ist der Ursprung jeder wahren Kunst und Wissenschaft.
Wer nie diese Erfahrung gemacht hat,  wer keiner Begeisterung fähig ist und nicht starr vor Staunen dastehen kann,  ist so gut wie tot:  Seine Augen sind geschlossen...                                                                                                                                                Albert Einstein

 

 

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